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E-Mail an Herrn Zimmermann (Bürgermeister der Stadt Herzogenrath) vom 28.11.2004


Sehr geehrter Herr Zimmermann

Ich wende mich an Sie als besorgte Bürgerin, die mit dem geplanten Bau der B258n nicht einverstanden ist.

Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen. Ich wohne in der alten Mühlenbachsiedlung in Kohlscheid und kenne von daher sehr gut die Problematik der Roermonder Str. Für den täglichen Weg zur Arbeit nach Aachen nutze ich allerdings nicht meinen eigenen Pkw sondern das Bus- und Bahnangebot von Kohlscheid aus.

Über einen regen Briefwechsel mit H. Grossmann weiß ich, dass Sie ein Befürworter der neuen B 258n sind. Dazu möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:
- Es heißt die neue B 258n sei als Entlastung der Roermonder Str. in Kohlscheid und auch als Entlastung für Herzogenrath gedacht. Jetzt gibt es aber ja eine Verkehrsstudie * die Sie mit Sicherheit besser kennen als ich* die einerseits belegt, dass der meiste Verkehr durch H'rath und Kohlscheid Ziel- und Quellverkehr aus H'rath selbst oder Merkstein und Übach ist.
Alle Pendler, die nördlich davon wohnen, benutzen eh schon die Autobahn. Wie soll denn dann die neue B 258n eine Entlastung bringen?
Laut Studie ist die Entlastung auch nur ca. 4.000 Autos pro Tag im Bereich von Kohlscheid. Und dafür eine ganze Landschaft zerstören, die als Naherholungsgebiet für viele Menschen Richterichs, Horbachs und Kohlscheids westlich der Roermonder Str. dient?

- H. Grossmann hat mir in einem Schreiben mitgeteilt, dass die B 258n auf
ausdrücklichen Wunsch der Stadt H'rath in den BVWP gestellt wurde.
Allerdings hatten mir Grüne Ratsvertreter vor den Kommunalwahlen an einem Stand auf dem Kohlscheider Markt erzählt, dass über diese Straße im Stadtrat gar nicht debattiert wurde und dass es dazu auch keinen Stadtratsbeschluss gibt. Wie kam denn dann dieser ausdrückliche Wunsch der Stadt zustande?

- Es natürlich einfach ist, sich für eine Straße auszusprechen, die von der Stadt Herzogenrath nicht finanziert werden muss und die ja auch gar nicht unseren Gemeindeboden verletzt, weil sie vollständig auf Aachener Stadtgebiet verläuft. Dies würde bestimmt anders aussehen, wenn die Stadt Herzogenrath die Umgehungsstraße selbst finanzieren müsste. Ich bin sicher, dann würde sie nicht gebaut werden.
In diesem Zusammenhang würde mich aber interessieren, welche Alternativen zu der Umgehungsstraße von der Stadt Herzogenrath seriös in Erwägung gezogen wurden?

- Wie erwähnt, benutze ich seit Jahren für den täglichen Weg zur Arbeit Bus und Bahn. Es ist sehr erfreulich zu beobachten, dass die Zahl der Bahnfahrer in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Sicherlich könnte man diese Zahl noch steigern, um damit eine Alternative zu der Umgehungsstraße zu schaffen. Der Tunnel am Kohlscheider Bahnhof ist eine nicht endende Geschichte, die ich seit Jahren verfolge und H. Grossmann immer wieder ans Herz lege. Jetzt stehen zwar Baufahrzeuge am Bahnhof, aber so richtig weiter geht es auch nicht. Ich will dennoch hoffen, dass die Stadt Herzogenrath die Bahn drängt, ihren Zeitplan einzuhalten und dass ab nächstem Jahr der Tunnel und die versprochenen Parkplätze fertig sind.
Dies würde Bahnfahren gegenüber dem Privatpkw wieder attraktiver machen und
hoffentlich mehr Leute von der Straße auf die Bahn holen.

- Seit Jahren ist auch die Wiedereröffnung der Bahntrasse nach Merkstein im Gespräch. Wird denn der vorgesehene Eröffnungtermin zum 12. Dezember 2004 gehalten? Da offensichtlich viel Verkehr durch Herzogenrath und Roermond aus Merkstein kommt, müsste es doch möglich sein, Merksteiner Bürger von der Straße auf die Bahn umzulenken. Allerdings ist ein stündlicher Zeittakt in den Haupt-Pendlerzeiten dafür nicht ausreichend. Dafür müssten in den Hauptverkehrszeiten deutlich höhere Taktzeiten gefahren werden. Wie nutzt die Stadt Herzogenrath ihre Möglichkeiten, eine gute Bahnverbindung zu schaffen, um damit den Verkehr durch Kohlscheid und Herzogenrath zu verringern und damit die Umgehungsstraße überflüssig zu machen?

- Auch finde ich die Situation für den Busverkehr unbefriedigend. Bis kurz vor Kohlscheid, gibt es eine separate Busspur, die dann am Ortseingang endet. Danach steht der Bus im selben Stau wie die Autos. Damit ist er natürlich zum Personalverkehr keine Alternative. Welche Chancen hat die Stadt bisher in Erwägung gezogen, um den Busverkehr attraktiver zu machen?
Ist eigentlich schon einmal ernsthaft über die Schaffung einer eigenen Busspur durch Kohlscheid nachgedacht worden?

- Letztendlich ist auffallend, dass ein Großteil der Staus durch unvorteilhafte Ampelschaltungen verursacht werden. Warum werden nicht moderne Ampelschaltungen eingebaut, die den Verkehrsfluß beschleunigen?
Mir ist natürlich klar, dass die Alternativen hauptsächlich durch Stadt und Land finanziert werden müssten, während die geplante Schnellstraße durch den Bund finanziert wird und damit für die Stadt *umsonst" ist. Aber mir als Bürgerin sind solche Zahlenspielereien egal, ich sehe lediglich, dass die B 258n ein Gebiet durchschneidet, das ich als Naherholungsgebiet nutze und das mir daher wertvoll ist. Ich würde mir in der Mühlenbachsiedlung zwischen zwei lauten Straßen wie ein *Sandwich" vorkommen und meine Wohnqualität als Hauseigentümerin würde stark darunter leiden.

Ich bitte Sie daher, mir die oben genannten Fragen möglichst konkret zu beantworten und Ihre Position zur Schnellstraße nochmals zu überdenken.


1. Antwort von Herrn van den Driesch vom 01.12.2004


danke für Ihren Brief vom 8.1.2005! Hier meine Stellungnahme:

wegen längerfristiger Erkrankung des Bürgermeisters möchte ich Ihnen als
zuständiger Beigeordneter ihre Mail beantworten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür , dass ich Ihre Auffassung zur mangelnden
Notwendigkeit einer B 258 n nicht teilen kann.
Sofern sie auf eine Verkehrsstudie hinweisen, meinen Sie damit sicherlich
eine grenzüberschreitende Verkehrsuntersuchung des IVV aus dem Jahre 2002.
Wer dabei den Fokus nur auf Kohlscheid legt, erfaßt jedoch nicht die Gesamtbedeutung für Herzogenrath. Eine B 258 n wird nicht nur Kohlscheid entlasten (dahingehend alleine stimmen ihre Zahlen), sondern wesentlich für die Stadtverwaltung ist die Gesamtbetrachtung der L 232 von Merkstein über HZ-Mitte bis nach Richterich.
Hier ist festzustellen, dass nach wie vor erheblicher Durchgangsverkehr aus dem Heinsberger Raum beseht, der über die B 258 n, natürlich nur in Verbindung mit sinnvollen Ergänzungen auf niederländischer Seite (diese werden von der Provinz Limburg geplant), um Gesamt-Herzogenrath herum geleitet werden könnte. Wer einmal nur 10 Minuten auf der Erkensstr. in HZ-Mitte gestanden hat, wird das verstehen.

Auch muß gesehen werden, dass eine weitere Ausweitung des in Herzogenrath
absolut vorbildlichen ÖPNV und SPNV allein die Entlastungen nicht erreicht
werden.

Im Übrigen kann ich ihnen versichern, dass die Anbindung von Merkstein bis
zum August-Schmidt-Platz an die Euregiobahn planmäßig erfolgen wird. Am
10.12. wird die Strecke offiziell eingeweiht. Dieses erfreuliche Ereignis ist
jedoch nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis harter Verhandlungen
und intensiver Einbringung der Stadtverwaltung. Die Bahn wird hier jedoch
nicht mit der "Ringbahn" starten, die ausschließlich vom Land gefördert würde. Diese
könnte erst aufgrund entsprechender Beschlüsse der Stadt Alsdorf erfolgen.
Vielmehr ist zunächst nur die Durchbindung eines ohnehin in Herzogenrath stehenden
Zuges im Stundentakt gelungen. Wenn Alsdorf und auch Würselen entsprechende
Beschlüsse fassen würden, könnte in einem nächsten Schritt die Ringbahn angegangen werden mit einem 30 Minuten Takt.

Hinsichtlich der Busverbindungen in Kohlscheid ist zunächst eine Busvorrangschaltung im Test. Der Regelbetrieb wird bald zu erheblichen Bescheunigungen führen.
Sie sehen, trotz der vorbildlichen Personennahverkehrausstattung (die Stadt gibt hier überproportional Mittel in den AVV) werden wir weiter an der Optimierung in ihrem Sinne arbeiten.
All das kann aber (leider) die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße nicht überflüssig machen.
Die betone, dass die Stadtverwaltung dieser Auffassung ist, es aber tatsächlich keinen Ratsbeschluss gibt. Das war aber auch nicht nötig, da bisher planungsrechtlich keine Beteiligung erforderlich war.
Ich hoffe, ihnen ihre Fragen möglichst konkret beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Christoph von den Driesch
Beigeordneter


2. Antwort von Herrn van den Driesch vom 01.12.2004

zunächst möchte ich mich für die zahlreichen Flüchtigkeitsfehler in meiner
Mail von heute nachmittag entschuldigen. Leider mußte ich diese Mail am
Rande einer Besprechung schreiben, wo am Ende offensichtlich die Konzentration
fehlte. Inhaltlich war sie hoffentlich dennoch verständlich.

Soeben ist mir aufgefallen, dass ich ihre Mail nicht vollständig beantwortet
habe, da ich nicht auf ihre Einlassung zur Ampelschaltung eingegangen bin.
Wir haben in Kohlscheid theoretisch eine "Grüne Welle", leider aber ist
sie durch die absolute Überforderung der Strecke durch den übermäßigen
PKW-Verkehr in Hauptverkehrszeiten nicht wirksam und wird als das
Gegenteil wahrgenommen.

Aufgrund einer Untersuchung aus 2003 steht zudem fest, dass eine noch
stärkere Freischaltung der Hauptachse zu noch mehr Verkehrschaos führen
würde, weil
dann die ebenfalls stark belasteten Nebenstraßen nicht mehr durch Abfluß
entlastet würden.

Sie sehen - es ist ein Teufelskreis. Daher unsere verwaltungsseitige
Auffassung pro B 258 n.

Zum Bahnhof Kohlscheid ist noch zu sagen, dass wir ständig die Bahn
bedrängen, doch endlich voran zu kommen. Jetzt plant die DB erneut eine
"kurzfristige" Umsetzung. Wir bleiben am Ball, verweisen jedoch auf die
ausschließliche Verantwortung der DB!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Christoph von den Driesch
Beigeordneter

 

 

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